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Die Geschichte der Kugelschreiber

Dienstag, den 29. September 2009

Füllfederhalter und Bleistifte haben ihre Tücken. Der eine verspritzt gern Tinte und der andere muss nach Gebrauch ständig wieder angespitzt werden. Das kostet Zeit und Nerven. Darum ist der Kugelschreiber aus der modernen Welt nicht mehr wegzudenken. Seine Geschichte ist geradezu exemplarisch für das 20. Jahrhundert. Sie könnte auch nicht besser erfunden sein.

Der Ungar László József Biró hatte viele Talente, er war Künstler, Erfinder, Journalist. In den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts arbeitete der Mann als Zeitschriftenredakteur in Budapest. In einer Druckerei der Hauptstadt überwachte Biró wie so oft den Andruck des neuesten Heftes. Die Druckfarbe aufs Papier pressenden Rotationswalzen brachten ihn auf eine Idee: Wer schnell schreiben will, braucht eine Tinte wie Druckfarbe. Und sobald diese ganz trocken ist, schmiert sie auch nicht mehr.Leider ist Druckfarbe aber viel zu zähflüssig für einen herkömmlichen Federhalter.

So experimentierte László Biró gemeinsam mit seinem Bruder George. Schließlich brachte sie die Idee einer Kugel ans Ziel. Das wunderbare neue Schreibgerät wird mit Tinte gefüllt und an seiner empfindlichen Stelle mit einer beweglichen Kugel verschlossen. Genial: Beim Schreiben dreht sich die Kugel und überträgt die Tinte auf das Blatt Papier. 1938 erhielt Biró das ersehnte Patent.

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Viel Geld wollte er mit dem „Kugelschreiber” verdienen, aber die Weltlage machte dem Erfinder einen Strich durch die Rechnung. Biró floh vor dem Faschismus 1943 nach Argentinien. Dort begann er mit der Herstellung der Stifte.
In Buenos Aires wurde ein gewisser Henry George Martin auf ihn aufmerksam. Dieser englische Geschäftsmann mit besten Kontakten zur Royal Air Force, wusste was Kampfpiloten in großer Höhe brauchen: zuverlässige Stifte, die nicht auslaufen. Martin erwarb die Patentrechte und verkaufte 1944 bereits 30.000 Kugelschreiber an die englische Luftwaffe.

Milton Reynolds ließ die Kugelschreiber in Übersee nachbauen. Von „Reynold’s Rocket” verkaufte ein New Yorker Kaufhaus binnen kürzester Zeit rund 100.000 Exemplare. Weil viele nur stockend schrieben, machte Reynolds bald pleite. Die Kinderkrankheiten des Kugelschreibers heilte schließlich ein französischer Baron, Marcel Bich. Als „Bic” brachte er den Kugelschreiber 1950 auf den Markt. Innen befand sich ein Plastikröhrchen für Tinte, außen eines zum Anfassen, vorn eine Metallspitze mit Kugel. Dieser massenkompatible Kugelschreiber ist bis heute ein Erfolgsmodell.Der eigentliche Erfinder starb 1985. In vielen Ländern der Erde heißen Kugelschreiber bis heute „Biró”

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